Der Begriff Sedisvakanz leitet sich vom lateinischen „sede vacante“ ab und bedeutet „leerer Stuhl“. Wenn ein Bischof zurücktritt, ist der Bischofsstuhl, und damit auch der Stuhl des Bischofs im Dom, nicht mehr besetzt.

Im Augenblick der Emeritierung des Bischofs ist der Bischofsstuhl vakant. Die Leitung des Bistums geht sofort auf den dienstältesten Weihbischof über (c. 419 Codex Iuris Canonici, kurz CIC).

Innerhalb von acht Tagen nach Beginn der Sedisvakanz muss das Domkapitel einen Diözesanadministrator wählen. Die Bedingung: Er muss Priester und mindestens 35 Jahre alt sein (c. 421 §1 CIC). Dieser Diözesanadministrator leitet dann das Bistum, bis ein neuer Bischof sein Amt in Besitz nimmt. Dies ist wörtlich zu verstehen: Nachdem der Dompropst die päpstliche Ernennungsurkunde verlesen hat, setzt sich der Bischof auf den Bischofsstuhl.

Der Diözesanadministrator muss dem Nuntius (also dem ständigen Vertreter des Papstes in einem Land) einen "ausführlichen und sorgfältigen Bericht über den Stand und die Erfordernisse der Diözese" liefern. Der Administrator darf keine grundlegenden Entscheidungen treffen, zum Beispiel keine Pfarrer ernennen. Im Kirchenrecht gilt der Grundsatz: "Sede vacante nihil innovetur" ("Während der Bischofsstuhl leer ist, darf nichts verändert werden.") Ansonsten hat der Diözesanadministrator die gleichen Rechte und Pflichten wie ein Diözesanbischof.

Der Generalvikar ist das "Alter ego" des Bischofs. Er stellt sozusagen das ausführende Organ eines Bistums dar und leitet die bischöfliche Verwaltung. Mit dem Eintritt der Sedisvakanz, also der Emeritierung des Bischofs, erlischt sein Amt. Er kann aber vom Diözesanadministrator zum Vertreter ernannt werden und sein Amt kommissarisch weiter wahrnehmen. Der Bischofsvikar verliert seine Aufgabe, die Weihbischöfe bleiben im Amt. Die Beratungsgremien des Bischofs wie der Priesterrat und der Diözesanpastoralrat hören auf zu bestehen. Ein neuer Bischof muss sie innerhalb eines Jahres neu bilden. Der Diözesanverwaltungsrat, der Kirchensteuerrat und viele andere Beratungsgremien bestehen während der Sedisvakanz weiter.

Die Weihbischöfe behalten alle ihre Vollmachten und Befugnisse.

Gemäß den römischen Richtlinien für die Bischofsernennung gibt es viele Anforderungen an einen Bischof. Formal muss er mindestens 35 Jahre alt und seit mindestens fünf Jahren Priester sein. Außerdem sollte er Doktor der Theologie sein oder zumindest gleichwertig gebildet. Der Kandidat soll ein "guter Seelenhirt und Lehrer des Glaubens" sein, einen "untadeligen Lebenswandel führen", "urteilsfähig und klug" sein, "einen ausgeglichenen und festen Charakter besitzen" und "am rechten Glauben beharrlich festhalten". Außerdem muss er dem Papst und dem kirchlichen Lehramt „treu ergeben" sein und sich sehr gut in Dogmatik, Moraltheologie und Kirchenrecht auskennen. Er soll sich durch "Frömmigkeit, Opfergeist und pastoralen Eifer" auszeichnen und zum Führungsamt geeignet sein. Ferner soll er sozial eingestellt, gebildet, dialog- und kooperationsfähig sein.

In fast allen Diözesen weltweit wird der neue Bischof direkt vom Papst ernannt. Doch in Aachen, wie auch in einigen anderen deutschen Bistümern gilt das Preußenkonkordat, ein Vertrag zwischen dem Vatikan und dem Freistaat Preußen aus dem Jahre 1929, das dem Domkapitel das Wahlrecht einräumt. Das Aachener Domkapitel besteht aus dem Dompropst, sechs residierenden und vier nicht residierenden Domkapitularen und sechs Domvikaren. Die Domkapitulare haben auch die Aufgabe, den neuen Bischof zu wählen.

Für die Wahl erstellt das Domkapitel eine Kandidatenliste. Diese kommt zustande, indem das Domkapitel unterschiedliche Personen um Vorschläge bittet. Aus denen sucht es Namen für die Kandidatenliste aus. Die erstellte Liste übergibt das Domkapitel dem apostolischen Nuntius, dem Vertreter des Papstes in Deutschland.
Dieser holt - im Auftrag des Papstes - ausführliche und zuverlässige Informationen über die Kandidaten ein. Dann reicht er die Liste nach Rom weiter, außerdem die Empfehlungen der Bischöfe im geltungsbereichdes Preußenkonkordats. Hierzu zählen auch die Bischöfe aus Köln, Limburg, Münster, Trier und Essen. Dieses Verfahren ist ebenfalls im Preußenkonkordat so vorgesehen.
Der Papst schickt danach dem Domkapitel eine eigene Liste mit drei Vorschlägen zu. Dabei kann er sich an die Aachener Vorschläge halten, muss er aber nicht. Er kann auch Kandidaten vorschlagen, die er für geeigneter hält als die, die auf den Vorschlagslisten verzeichnet sind.
Aus den Vorschlägen aus dieser Liste des Papstes wählt nun das Domkapitel den neuen Bischof. Gewählt ist der Kandidat, der im ersten Wahlgang, spätestens im zweiten, die absolute Mehrheit erhalten hat. Ist das nicht der Fall, findet eine Stichwahl statt, bei der die einfache Mehrheit ausreicht. (c. 119 CIC).
Ist ein Kandidat gewählt, wird die Landesregierung befragt, ob politische Bedenken gegen den Gewählten bestehen – auch das ist im Preußenkonkordat begründet. Wenn die Stellungnahme aus Düsseldorf vorliegt, reicht das Domkapitel den Ernennungsvorschlag wieder in Rom ein. Die eigentliche Ernennung ist dem Papst vorbehalten.

Der neue Bischof leistet vor der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin einen Treueeid ab. Dann "ergreift er Besitz von der Diözese", indem er dem Domkapitel das Schreiben seiner Ernennung präsentiert. Üblicherweise wird der Amtsantritt des Bischofs in der Kathedralkirche, also im Aachener Dom, "mit Volk und Klerus" gefeiert. Sollte der neue Bischof bisher noch keine Bischofsweihe empfangen haben, so erfolgt dies im Einführungsgottesdienst.

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© Bistum Aachen / Robin Schall