Bischof em. Dr. Heinrich Mussinghoff

Als Dr. Heinrich Mussinghoff im Februar 1995 zum Bischof von Aachen geweiht wurde, galt sein erster Besuch der jüdischen Gemeinde der Stadt. Es gehe darum, „den Weg geschwisterlicher Verbundenheit mit Juden, Christen und Muslimen zu gehen", so sagte er damals. Während seiner Zeit als Dompropst in Münster Anfang der 90er war er zugleich Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Auch in diesen Tagen ist ihm die Begegnung der Religionen und das ökumenische Gespräch wichtig. „Wir sollten zuerst das Gemeinsame und Verbindende zwischen den Konfessionen sehen", so Bischof Mussinghoff. Der Aachener Bischof sucht das direkte Gespräch. Begegnungen mit den Menschen in seinem Bistum sind ihm wichtiger als Gremienkatholizismus oder seine Botschaften über die Medien zu verkünden. Er will den Menschen in Krefeld, Mönchengladbach und Aachen, aber auch in den kleinen Gemeinden auf dem Land, in ihren Sorgen nahe sein. Immerhin 1,2 Millionen Gläubige zählt sein Bistum, und die Menschen hören von ihm Hinweise zum sozial- und umweltverträglichen Umbau in der Braunkohleregion Garzweiler oder zur wirtschaftlichen Entwicklung in den ehemaligen Zechengebieten.

Dazu lädt er regelmäßig Vertreter aus Wirtschaft, Forschung und gesellschaftliche Gruppen zu „Runden Tischen" ein, um sich gemeinsam Gedanken zu machen über den Umbau zu einer modernen, leistungsfähigen und sozialorientierten Region.

Die Christen in seinem Bistum hat Mussinghoff aufgefordert, „mit hörendem Herzen aufeinander zuzugehen. Nicht Durchsetzen der eigenen Anschauungen auf Kosten anderer, sondern Gespräch und Dialog", forderte der Bischof. Auch so will er „Weggemeinschaft" verstanden wissen, eine Leitlinie, die er von seinem Vorgänger Bischof Klaus Hemmerle übernommen hatte und die beitragen soll zu einem guten Miteinander der Christen, der Gemeinden, der Laien und Priester und der Kirche in der Gesellschaft. Der Dialog soll ihm Hinweise geben, welche Schwerpunkte die Kirche setzen muss angesichts zurückgehender Priesterzahlen und enger werdender finanzieller Spielräume. Angst vor der Zukunft habe er nicht, sagt der Bischof: „Mich bewegt immer wieder, wie viele Menschen auch heute mit Freude in den Gemeinden engagiert sind."

Wichtiger als lautstarke Appelle und Resolutionen sind ihm konkretes Handeln an Schulen und in Jugendeinrichtungen. Seitdem die katholischen Beratungsstellen für schwangere Frauen keine Beratungsnachweise als Voraussetzung für eine straffreie Abtreibung mehr ausstellen, will Bischof Mussinghoff mit erweiterten Beratungsangeboten und konkreten Hilfeleistungen, dass die „Rat und Hilfe"-Einrichtungen für ratsuchende Frauen präsent bleiben.

Heinrich Mussinghoff wurde am 29. Oktober in Osterwick (heute Rosendahl) im Münsterland geboren. Nach dem Philosophie- und Theologiestudium in Münster und Freiburg wurde er von Bischof Joseph Höffner 1968 in Münster zum Priester geweiht. Nach Kaplanstätigkeit in Herten im Ruhrgebiet wurde Mussinghoff Sekretär des Münsteraner Bischofs Heinrich Tenhumberg. Nach weiteren Studien der Kirchengeschichte und des Staatskirchenrechtes wurde er 1981 Leiter des Diözesan-Gerichtshofes (Offizialat) und Mitglied des Domkapitels in Münster. Nach der deutschen Wiedervereinigung wirkte Mussinghoff bei den Verhandlungen zur Errichtung der ostdeutschen Diözesen und des neuen Erzbistums Hamburg mit. Viele Jahre hielt er Vorlesungen in Kirchenrecht an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom.

Wenige Tage vor Weihnachten 1994 erreichte Mussinghoff die Nachricht von seiner Berufung zum Bischof von Aachen. Am 11. Februar 1995 empfing er durch den Kölner Kardinal Joachim Meisner im Aachener Dom die Bischofsweihe. Von September 1999 bis September 2011 war er Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Der Wahlspruch des Bischofs lautet: „Bereitet den Weg des Herrn."

Am 8. Dezember 2015 hat Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch von Bischof Mussinghoff angenommen.